Sobald die Weide abgefressen ist und der erste Frost kommt, ändert sich für Ihr Pferd mehr, als die meisten Halter denken. Mich erreichen dann jedes Jahr dieselben Fragen: Wie viel Heu ist genug, braucht mein Pferd jetzt Kraftfutter, und warum trinkt es plötzlich so wenig? Meine Antwort nach über 20 Jahren Beratung: Der Winter wird fast immer über das Raufutter und die Tränke gewonnen — nicht über den Futtersack.
Wenn die Weide abgefressen ist und der erste Frost über der Nordheide liegt, ändert sich für Ihr Pferd mehr, als viele Halter denken. Ein Pferd im Winter füttern heißt nicht einfach „eine Schaufel Müsli mehr" — es heißt, Raufutter, Wasser und Mineralversorgung an eine Jahreszeit anzupassen, in der der Körper doppelt arbeitet. In über 20 Jahren Beratung habe ich gesehen, dass die meisten Winterprobleme nicht aus dem Kraftfuttersack kommen, sondern aus zu wenig Heu, zu kaltem Wasser und einem zu schnellen Wechsel. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen, worauf es wirklich ankommt.
Warum der Winter die Ration verändert
Ihr Pferd heizt sich von innen — und zwar nicht über Getreide, sondern über die Faserverdauung im Dickdarm. Dort zerlegen Milliarden Mikroorganismen das Heu, und dabei entsteht Wärme. Genau deshalb ist Raufutter im Winter die beste Heizung, die Sie kaufen können.
Was sich in der kalten Jahreszeit verschiebt:
| Was sich ändert | Was das für die Fütterung bedeutet |
|---|---|
| Kälte kostet Energie | Der Bedarf steigt je nach Haltung um etwa 10–20 Prozent |
| Kein Gras mehr | Frisches Grün mit rund 80 Prozent Wasser fällt komplett weg |
| Trockene Ration | Heu bringt nur wenig Wasser mit — die Tränke wird zur Hauptquelle |
| Weniger Bewegung | Der Darm wird träger, Verstopfungen werden häufiger |
| Geschorenes Fell oder dünne Decke | Der natürliche Kälteschutz fehlt, der Bedarf steigt zusätzlich |
Laut den Fütterungsempfehlungen der Fachliteratur sollte wenigstens der Erhaltungsbedarf über Heu oder gutes Futterstroh gedeckt sein — unabhängig davon, ob das Pferd geritten wird oder den Winter auf der Koppel steht. Ältere Pferde, dünne Pferde und Offenstallpferde brauchen dabei mehr Aufmerksamkeit als der rundliche Freizeitwallach im Warmstall.
Wasser ist im Winter das wichtigste Futter
Das ist der Punkt, an dem ich in der Beratung am häufigsten nachhake. Im Sommer nimmt Ihr Pferd über das Gras viele Liter Wasser nebenbei auf. Im Winter besteht die Ration fast nur aus Trockenmasse — und gleichzeitig trinken Pferde bei Kälte deutlich weniger, weil sie Wasser nahe dem Gefrierpunkt meiden. Weniger Wasser bei trockener Ration ist der klassische Weg in die Verstopfungskolik.
Was hilft:
- Wasser anwärmen. Schon 10 bis 15 Grad machen einen großen Unterschied. In Versuchen tranken Pferde und Ponys mit angewärmtem Wasser rund 40 Prozent mehr als mit eiskaltem.
- Tränke täglich prüfen. Eine vereiste Leitung oder eine Schwimmertränke mit Eisdeckel fällt oft erst auf, wenn das Pferd schon zu wenig getrunken hat.
- Bei Dauerfrost zusätzlich anbieten. Ein Eimer temperiertes Wasser nach der Fütterung wird erstaunlich oft leergetrunken.
- Salz bereitstellen. Ein Salzleckstein hält den Trinkreiz wach.
Die 7 Regeln, wenn Sie Ihr Pferd im Winter füttern
- Heu zur Basis machen — und zwar großzügig. Rechnen Sie mit 1,5 bis 2 Kilo Heu je 100 Kilo Körpergewicht, bei einem 500-Kilo-Pferd also 8 bis 10 Kilo täglich. Bei Dauerfrost unter etwa minus fünf Grad darf es mehr sein.
- Kraftfutter nicht als Heizung missbrauchen. Getreide wärmt kaum, macht aber oft spritzig und belastet den Dickdarm. Mehr Heu ist fast immer die ruhigere Antwort.
- Fresspausen kurz halten. Der Pferdemagen produziert rund um die Uhr Säure. Länger als vier Stunden ohne Raufutter sollte es nicht sein — warum das so wichtig ist, erkläre ich im Ratgeber zu Magengeschwüren beim Pferd.
- Heuqualität kontrollieren, nicht nur die Menge. Staubiges oder muffiges Winterheu belastet Atemwege und Darm. Riechen und in der Hand aufschütteln kostet zehn Sekunden.
- Mineralversorgung nachziehen. Ohne Gras fehlen Vitamine und Spurenelemente. Ein passendes Mineralfutter für Pferde schließt die Lücke, ohne Zucker nachzuschieben.
- Warm füttern, wo es sinnvoll ist. Mash oder eingeweichte Rübenschnitzel bringen Flüssigkeit in die Ration — als Ergänzung, nicht als Heuersatz.
- Auf naturbelassene Fütterung setzen. Je weniger künstliche Zusätze und versteckter Zucker, desto ruhiger arbeitet der Darm über den Winter. Genau hier setzen die REiCO Vital-Systeme an: natürliches Gleichgewicht statt Füllstoffe.
Der Wechsel von der Weide ins Winterfutter
Der Übergang ist die kritischste Phase des ganzen Jahres — und der häufigste Grund, warum Pferde im November plötzlich Kotwasser bekommen. Die Darmflora ist auf Gras eingestellt und braucht Wochen, um sich auf Heu umzubauen.
Mein Vorgehen:
- Zwei bis drei Wochen Überlappung: Heu schon zufüttern, solange noch Weidegang läuft.
- Weidezeit schrittweise kürzen, nicht von einem Tag auf den anderen beenden.
- Kein Heu direkt auf abgefressenen Sand legen — Raufe oder Matte verhindern Sandaufnahme.
- Kot beobachten: Braune Rinnsale am Schweif sind ein Frühwarnsignal. Was dann zu tun ist, steht im Ratgeber zu Kotwasser beim Pferd.
Wann der Tierarzt ran muss
Ehrlichkeit gehört für mich dazu: Eine Futterberatung ersetzt keinen Tierarzt. Bitte rufen Sie ihn, wenn
- Ihr Pferd auffällig wenig trinkt und kaum oder trockenen, harten Kot absetzt
- Anzeichen einer Kolik auftreten: Scharren, Flankenblick, Wälzen, Schwitzen
- Ihr Pferd über den Winter deutlich abnimmt, obwohl die Heumenge stimmt
- Husten oder Nasenausfluss dazukommen, was oft am Heu oder an der Stallluft liegt
- ein älteres Pferd das Heu ausspuckt — dann gehören zuerst die Zähne kontrolliert
Ein guter Winter beginnt im Oktober
Die meisten Pferde brauchen im Winter kein Spezialpräparat, sondern reichlich gutes Heu, Wasser, das nicht wehtut, und eine Umstellung, die ihnen Zeit lässt. Das klingt unspektakulär — es ist aber genau der Unterschied zwischen einem ruhigen und einem teuren Winter.
Sie sind unsicher, ob die Ration Ihres Pferdes für die kalte Jahreszeit passt? In einer kostenlosen Futterberatung rechnen wir gemeinsam durch, was Ihr Pferd tatsächlich braucht — Haltung, Alter und Arbeit mitgedacht. Melden Sie sich einfach bei mir, ich nehme mir die Zeit.
Quellen
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